Gioachino Rossini: Petite Messe solennelle

Konzert

Mittwoch, 22. Juli 2026 um 20:00 Uhr

„Magisch intensiver Klang“
Kölner Stadt-Anzeiger (Markus Schwering), 15.09.2025

Besetzung & Fassung

In der Originalfassung von 1863 für gemischten Chor, vier Gesangssolisten, zwei Klaviere und Harmonium

Mit historischen Instrumenten aus der Rossini-Zeit: zwei französische Konzertflügel von Érard und Pleyel, ein Harmonium von Mustel. Mit Knabenstimmen, Frauen- und Männerstimmen.

Ort

München, Herz-Jesu-Kirche
Lachnerstraße 8, 80639 München

Mitwirkende

  • Keri Fuge, Sopran
  • Constantin Zimmermann, Altus
  • Aco Bišćević, Tenor
  • Frederic Jost, Bass
  • Christoph Hammer, Klavier
  • Shenglong Li, Klavier
  • Joachim Diessner, Harmonium
  • Solisten des Tölzer Knabenchors
  • Michael Hofstetter, Musikalische Leitung
Die Konzerte werden audiovisuell mitgeschnitten. Das Publikum erklärt sich damit einverstanden, gefilmt zu werden.
Veranstalter: Tölzer Knabenchor e.V.
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Werkeinführung

Rossinis inniger Dank an den lieben Gott „Petite Messe solennelle“ als Urtext neu erfahren.

Hören wir heute Rossinis Petite Messe solennelle, mögen wird dabei weniger an eine „kleine“ (petite) als vielmehr an eine große Messe mit umfangreicher Chorbesetzung denken. Doch Rossini selber schrieb im Autograph seiner Originalfassung von 1863 (vor der Uraufführung am 14. März 1864 im Pariser Salon der Gräfin Louise Pillet-Will):

Petite Messe solennelle, composée pour ma maison de campagne à Passy. Douze Chanteurs de trois sexes, hommes, femmes et castrats — (...) Bon Dieu, pardonne-moi la petite péché de ma vieillesse.

„Kleine feierliche Messe, komponiert für mein Landhaus in Passy. Ein paar Sänger beiderlei Geschlechts, Männer, Frauen und Kastraten – Guter Gott, vergib mir meine lässliche Alterssünde.“
« Bon Dieu — la voilà terminée, cette pauvre petite messe. Est-ce bien de la musique sacrée que je viens de faire, ou bien de la sacrée musique ? J’étais né pour l’opéra buYa, tu le sais bien ! Peu de science, un peu de cœur, tout est là. Sois donc béni et accorde-moi le Paradis. »

"Lieber Gott – voilà, nun ist diese arme kleine Messe beendet. Habe ich nun wirklich heilige Musik gemacht, oder doch vermaledeite Musik? Ich bin für die komische Oper geboren, das weißt Du wohl! Ein wenig Können und ein wenig Herz – das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“ - Gioachino Rossini, Passy, 1863

Die später entstandene Orchesterfassung kostete Rossini einige Überwindung und diente vor allem einem Zweck: seine „kleine“ Messe mit ihren „paar Singstimmen“ vor allzu pompösen Bearbeitungen durch Adolphe Sax oder Hector Berlioz zu bewahren. Die Erstfassung offenbart eine innige, facettenreiche Klangsprache. Das zeigt sich bereits an der Chorbesetzung: Nicht nur ist das Vokalensemble klein gehalten, die Singstimmen bestanden zudem aus Frauen, Männern und Kastraten. Begleitet werden sie ausschließlich von zwei historischen Klavieren und einem Harmonium.

Tölzer Knabenchor singt Rossini's Petite Messe solennelle

Uns die farbenreichen Nuancen der historischen Aufführungspraxis möglichst nahe zu bringen, ist Ziel dieser Aufführung. Dem tragen die kammermusikalische Besetzung und der spezielle Klang historischer Instrumente Rechnung. Der mit fünf Personen pro Stimme besetzte Chor vereint Frauen- und Männerstimmen mit einem Countertenor sowie Knabenstimmen. Die Schönheit dieser ganz besonderen Klangmischung hat bereits Wolfgang Amadeus Mozart im Quartett Pamina-Drei Knaben („Zwei Herzen, die von Liebe brennen“) aus seiner Zauberflöte vorausgeahnt, Rossini greift diese magische Klangschönheit in seiner Messe auf.

Getragen wird der Chor vom bald prächtig-orchestralen, bald feinen, sich ätherisch mischenden Ton der beiden französischen Konzertflügel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Érard/Pleyel) sowie des historischen Harmoniums. Diese homogene Originalbesetzung erlaubt es, Rossinis differenzierte dynamische Angaben – in den feinen Nuancierungen vom fortissimo bis hin zum drei- und vierfachen pianissimo – nicht nur als Lautstärke, sondern als Ausdruck innerer Bewegung zu realisieren: als Staunen, tiefe Ergriffenheit und demütige Bitte – als Musik der Stille.

Wer diesen Klang erlebt, hört die Petite Messe solennelle so, wie Rossini sie erdacht hat: nicht als pompös-aufbrausende Messkomposition, gar als pathetische „Oper in der Kirche“, sondern als sein ganz persönlicher, inniger Dank für ein erfülltes Leben.

Text: Michael Hofstetter und Leopold Lampelsdorfer

Künstlerinformationen